kreatives Schreiben, LiteraturGelaber

Wie beginnt eigentlich eine Geschichte?

Es sollte wohl besser heißen Wie beginnen eigentlich meine Geschichten?, denn darüber möchte ich gern erzählen. Bei mir fängt der Schreibwahn generell immer gleich an. In Filmen, Serien,  Animes, Büchern oder beliebigen anderen Medien sehe ich etwas das mir gefällt und ich denke mir: „darüber möchte ich schreiben!“. Das kann eine Figurenkonstellation, oder ein Setting, gerne auch nur ein toller Charaktername. Denn die Hauptcharaktere sind eigentlich immer das Erste, worüber ich mir dann Gedanken mache. Ist mein Hauptperson männlich oder weiblich, gibt es eine Liebesgeschichte und wer wird dann ihr Partner? Wie treffen sie sich, was steht ihnen im Weg, was werden sie erleben?

Meist ist das der Punkt, an dem mein erstes Kreatief kommt. Ich stehe nun da mit einer verschwommenen Idee für zwei bis drei Charaktere und einem kleinen Plot twist. Eine Geschichte besteht aber nicht nur aus einem Plot twist, sondern aus vielen kleinen und größeren. Außer natürlich es ist eine Kurzgeschichte. Aus einer kleinen, lauwarmen Idee einen ganzen Roman zu spinnen, ist unglaublich schwer. Ich notiere mir was ich habe meist in einer Art Mindmap (mit ganz vielen Pfeilchen und Zeichnungen) und spinne einfach wild drauf los. Ich denke auch im Alltag viel über meine Geschichten nach, kurz vorm Einschlafen im Bett, beim Abwasch oder Autofahren kommen einem plötzlich die besten Ideen. Die Geschichte scheint über Tage und Wochen im Kopf zu reifen und plötzlich ergeben sich die ganzen kleinen Plot twists und Nebencharaktere quasi von allein.
Und wenn ich meine Spontanen Kreativitätsschübe nicht schnellstmöglich im Mindmap festhalte, verschwinden sie mindestens genauso schnell, wie sie gekommen sind. Und wenn man das Mindmap dann nach ein paar Tagen Abstand immer mal begutachtet, hat man plötzlich einen ganz anderen Blickwinkel; verwirft Ideen, die man beim Aufschreiben grandios fand und recycelt eigentlich schon Verworfenes. Dieses hin und her wird sich wahrscheinlich bis zum Ende des gesamten Schreibprozeses nicht ändern. Denn wenn man dann wirklich mal zum Schreiben kommt, erfindet sich die Geschichte meist sowieso nochmal ganz neu.

Das wäre dann auch der größte Schweinehund, den ich immer überwinden muss: mit dem Schreiben beginnen. Meiner Erfahrung nach bringt es nichts, auf den richtigen Moment und übersprudelnde Motivation zu warten. Man muss einfach anfangen. Und auch weiterschreiben, wenn der Anfang grottenschlecht ist. Der Schreibfluss stellt sich manchmal erst nach den ersten vollgetippten Seiten ein und den Anfang kann man ja jeder Zeit wieder überarbeiten. Man muss sich einfach durchquälen und darf nicht nach den ersten 5 Kapiteln wieder aufhören. Aber Geschichten in romanlänge zu schreiben, stellt die eigene Disziplin wirklich auf die Probe. Ich habe noch nie auch nur einen halben Roman niedergeschrieben, dafür unzählig viele begonnen. Durchhalten ist eine Zerreisprobe, man zweifelt an seiner Idee, an dem eigenen Schreibstil oder hat einfach keine Lust mehr.
Aber wenn man wirklich in einem ganz dunklen Loch hockt und nicht mehr rauskommt, würde ich immer empfehlen an einer anderen Baustelle der Geschichte zu arbeiten. Charakterbögen erstellen, den Plot überdenken, eine Vorgeschichte schreiben, eine Szene aus der Kindheit eines Charakters erzählen, einen Charakter oder Schauplatz zeichnen… wonach einem auch immer der Sinn steht.
Besonders motivierend finde ich es auch anderen von der eigenen Idee/dem Fortschritt zu erzählen, bestimmt blogge ich deshalb so gern übers Schreiben.

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1 Comment

  • Reply Schreibfreitag #02 - LiteraturMonster 3. Juni 2016 at 15:28

    […] meinem Beitrag „Wie beginnt eigentlich eine Geschichte?“ habe ich schon einmal erzählt, woher ich viele kreative Impulse bekomme: „Bei mir fängt […]

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