5 Punkte, Allgemein, Geschichte, Politik, Rezension

Über das Verbrennen von Büchern

„Vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933, wurden in Berlin unter der Aufsicht von Joseph Goebbels die Werke von zahlreichen deutschen Autoren ins Feuer geworfen. Nur ein einziger dieser Autoren war dabei persönlich anwesend. Es war Erich Kästner.“feuerpink

Das Buch enthält 4 Texte von Erich Kästner, in denen er über seine Eindrücke der Bücherverbrennung im Dritten Reich am 10. Mai 1933 und später 1965 in Düsseldorf berichtet. Die Texte sind sehr persönlich geschrieben und man hört deutlich die Wut und den Verdruss Kästners heraus. So nennt er Goebbels u.a. einen „personifizierten Minderwertigkeitskomplex“. Und das macht das Buch so lesenswert und interessant. Es handelt sich nicht um einen Sachtext, sondern einen recht emotionalen Augenzeugenbericht.

Und ich finde es unglaublich interessant zu lesen, was in einem Autoren vorgeht, der seinen Büchern beim Brennen zugesehen hat. Der sich auch 20 Jahre später in seinen Texten noch fragt, ob er damals hätte handeln sollen. Und warum er es nicht getan hat.

Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät.

Über das Verbrennen von Büchern – Richt Kästner, Seite 25

Mit dem Gefühl seiner eigenen Beerdigung beizuwohnen sah Erich Kästner zu, wie unter Goebbels aufsicht etliche Bücher (sogenannte „zersetzende Literatur“) von den Studenten ins Feuer geworfen werden.

Man erhält einen kleinen Einblick, wie viele Dichter und Denker im Dritten Reich im Rahmen der Gleichschaltung geknebelt wurden, andere aber gleichzeitig von der Situation profitierten. Früher von der „Linkspresse“ verschriene Bücher galten nun als unantastbar und erfreuten sich nie gekannter Aufmerksamkeit. Über 30 Jahre später muss Kästner erneut mit ansehen, wie seine Bücher verbrannt werden. Diesmal von dem „Bund entschiedener Christen“ in Düsseldorf und fühlt sich an die Nacht des 10. Mai 1933 erinnert.

Viele haben die Nase vom Dritten Reich gehörig voll und Jan Philipp Zymny hat das wunderbar ausgedrückt:

Wenn ich aus 13 Jahren Schule rausgehe und so oft das Dritte Reich besprochen habe, dass ich kriegsmüde bin. Im Geschichtsunterricht, im Deutschunterricht, im Religionsunterricht, im Matheunterricht. […] Ich habe Angst davor, dass ich unempfindlich geworden bin, gegen den größten Schrecken überhaupt. All das macht mich müde.

Aber ich fand das Thema trotzdem unglaublich interessant. Erich Kästner erzählt sehr lakonisch von seinen Erlebnissen und Eindrücken, man muss sich nicht dur ewige ausschweifende Passagen quälen. Trotzdem schafft er es eine dramatische Metapher an die nächste zu reihen, so dass ich am liebsten das halbe Buch zitiert hätte. Das wäre auch tatsächlich gar nicht so schwierig. Die 4 Geschichten werden gerade mal auf insgesamt 41 Seiten erzählt, auf den restlichen findet man eine kleine Übersicht über wichtige historische Ereignisse und eine Lister von Autoren, deren Bücher 1933 verbrannt wurden.

Bücher, das wissen wir nun, kann man nicht verbrennen.

Über das Verbrennen von Büchern – Erich Kästner, Seite 10

Über das Verbrennen von Büchern • Erich Kästner • Gebunden: 10 € • 56 Seiten • ISBN-13: 978-3855353897 • Atrium Verlag Zürich • 5/5

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