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Über Bäumepflanzer, Sprachendichter und Weltenbauer

Hinter diesem mysteriös-poetischen Titel versteckt sich eine ganz einfache Frage: Wie baut man als Schreiberling eigentlich seine eigene Welt?

Ich schreibe hier keinen Schreibratgeber aber hoffe, den ein oder anderen (Hobby)Autor auf dieses Thema aufmerksam zu machen, zu motivieren und dazu anzuregen, sich weiter damit zu beschäftigen. Dazu habe ich unten zwei interessante Artikel verlinkt.

Theoretisch klingt doch alles erstmal ganz einfach: Wenn ich mir meine eigene Welt erschaffe, bin ich keinen Vernunftsregeln und Naturgesetzen unterworfen. Ich kann tun und lassen was ich will.
Praktisch gesehen ist es nicht so einfach. Erfundene Welten haben ihre eigenen (erfundenen) Gesetze und Regeln, alles muss irgendwie zusammenpassen und in sich logisch sein. Nichts zu übersehen und sich ganze Völker, Kulturen und Kontinente selbst auszudenken ist einiges an Arbeit.

Auch wenn es schon ein bisschen reizvoll wäre, mal eine Geschichte ohne jegliche Logik zu schreiben. Eine Welt der völligen Entropie, in der man sich zur Begrüßung über die Nasenspitze leckt, die Sonne morgen lila scheint und an jedem Dienstag zwischen 11 und 14 Uhr die Schwerkraft außer Kraft gesetzt wird. Für „völlige Entropie“ sind das eigentlich schon wieder zu viele Regeln…

In Romanen findet man immer wieder hoch komplexe Welten, Planeten und Universen. Und da steht man nun selbst erstmal vor dem allergrößten Problem: wo und wie fange ich so eine Fantasie-Welt denn eigentlich an?

Man sollte sich erstmal darüber klar werden, welches Setting man genau will. Spielt meine Geschichte im All, brauche ich neue Planeten, Galaxien, vielleicht sogar Universen. Spielt sie nur auf einem Planeten reicht es, sich diesen auszudenken, oder vielleicht auch nur einen Kontinent oder ein Land. Für den ein oder anderen reicht vielleicht auch eine Stadt. Hier möchte ich aber anmerken, dass man für sich selbst immer noch ein paar grobe Informationen festhalten sollte, die über den Teller- oder Städterand hinausgehen. Im Hinterkopf sollte man in etwa wissen, wie das Land aussieht, in dem die Stadt liegt oder der Kontinent, der das Land beherbergt oder die Welt, auf der dieser Kontinent schwimmt. Das gibt dem ganzen mehr Tiefgang und man verstrickt sich nicht so schnell in Ungereimtheiten. Auch wenn keine dieser Informationen später potenziellen Lesern zukommen wird.

Am einfachsten ist es natürlich immer einfach unsere existierende Welt zu benutzen und ein wenig anzupassen, wie man das bei Urban Fantasy macht. Möchte man aber eher High Fantasy oder SciFi schreiben, passt unsere Welt meist eher weniger ins Geschehen. Die Frage des Settings ist also auch eine Frage des Genres.

Einige Fragen, die man sich stellen könnte, wenn man seine eigene Welt kreiert:

  • In welcher Zeit spielt die Geschichte? Ist die Welt eher historisch, modern oder futuristisch?
  • Wie ist die Welt entstanden, welche wichtigen historischen Ereignisse gab es?
  • Wie ist die Gesellschaft aufgebaut? Wer steht oben und wer unten?
  • Welche Völker, Rassen und Bewohner gibt es? Wie stehen sie zueinander?
  • Wie ist ihre Kultur, Wirtschaft, Religion, Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt?
  • Welche Pflanzen, Gewässer, Gebirge, Bodenbeschaffenheiten gibt es? Wie ist das Klima?
  • Eine Karte zeichnen.
  • Wo liegt das Konfliktpotenzial in der Gesellschaft?

Je mehr Fragen man sich ausdenkt und beantwortet, desto besser.

Ich habe auch ein inspirierendes Video zu diesem Thema von Kate Messner gefunden. Wer sich speziell für das Entwickeln von Völkern interessiert, sollte Jacqueline Vellguths tollen Artikel lesen.

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