Für Solidarität, Flüchtlinge und Menschlichkeit

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig nervös bin. Ein hoch politischer Beitrag, auf meinem seichten Literaturblog? Interessiert das überhaupt jemanden? Viel mehr Angst habe ich allerdings davor, dass es eben doch jemanden interessiert. Politik und gerade das Flüchtlingsthema ist so ein hochexplosives Pulverfass. Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, 20 Elefanten in meinen Porzellanladen eingeladen zu haben. Nichtsdestotrotz, das hier ist meine Meinung und dazu stehe ich. Ich bin jung, ich mache Fehler, ich mag nicht über alles bescheid wissen und vielleicht bin ich auch etwas naiv. Darum bin ich immer gerne bereit zu diskutieren, mich mit Argumenten überzeugen zu lassen und meine Meinung anzupassen. Scheut euch also nicht mir Kontra zu geben. Das nur so vorweg.

Man mag mich als Gutmensch bezeichnen, als links oder sonstwie: Ja, ich bin dafür Flüchtlinge aufzunehmen. Aus vielerlei Gutmenschen-Gründen. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass nicht alle Geflüchteten Heilige sind. Blödmänner gibt es eben überall, aber deswegen darf man nicht gleich alle verteufeln. Mit Straftätern o.Ä. muss man sich gesondert beschäftigen. Verallgemeinerungen sind einfach der letzte Rotz, in die eine UND in die andere Richtung.

Das hat auch Marc Uwe Kling mit seinem großartigen Känguru sehr schön auf den Punkt gebracht:

„Man kann sich halt nicht sicher sein“, sagt der Mann auf der Straße, „dass in einer Gruppe Flüchtlinge nicht auch Arschlöcher sind.“
„Stimmt wohl“, sagt das Känguru, „aber immerhin kann man sich sicher sein, dass in einer Gruppe Rassisten nur Arschlöcher sind.“

Selbstjustiz, Bürgerwehren und Nachbarschaftshilfen sind in meinen Augen übrigens auch der letzte Rotz:

Ich bin zum studieren nach Magdeburg gezogen.

Einen Monat später: ausländische Studierende meiner Universität werden durch die halbe Stadt bis auf den Campus gehetzt.

Am gleichen Tag (oder eher Nacht): 5-6 syrische Geflüchtete werden von einer mit Baseballschlägern bewaffneten Gruppe krankenhausreif geschlagen. Quasi direkt vor meiner Haustür. Es wäre wohl noch schlimmer gekommen, wären nicht zivile Polizisten und Polizistinnen eingeschritten…

Einige Wochen später: Ich erlebe wie ein junger Schüler (geschätzte 14 Jahre) in der Straßenbahn ganz selbstverständlich und lautstark über eine Gruppe anwesender Ausländer herzieht. Keiner der deutschen Fahrgäste hat sich auch nur annähernd geregt. Dass die ausländischen Frauen verstanden haben, was da über sie gesagt wurde, hat man deutlich erkannt… wenn man nur einen kurzen Blick in ihre Gesichter geworfen hätte.

rectangle-nazisIch weiß nicht, ob ihr schon mal in Situationen wart, in denen ihr wirklich Angst um euch selbst hattet. Nicht unbedingt gleich um euer Leben, nur um euer Wohlergehen. Situationen in denen ihr wusstet, ihr seid nicht Sicher und die Gefahr beinahe mit Händen greifbar ist. Ich hatte schon ein paar wenige Momente, in denen ich wirklich Angst um mich hatte. Zwar war ich (wie sich danach rausstellte) meist nicht wirklich in Gefahr, aber das sind Erfahrungen, die einen einfach prägen. Und ich verzichte gern auf weitere solcher Situationen.

Und weil ich behaupte ansatzweise zu verstehen wie es sich anfühlt, wenn einem pure Angst, Panik und Verzweiflung durch die Venen suppt, finde ich das Verhalten vieler Menschen in Magdeburg und auch auf dem Rest der Welt einfach abartig. Menschen wie Tiere zu hetzen, zu verprügeln bis sie sich nicht mehr regen können und ihnen durch Ablehnung und Spott jeden Tag zu einer kleinen persönlichen Hölle zu machen, ist einfach krank. In diesem Blogbeitrag geht es eigentlich nur peripher um Flüchtlinge, sondern um Menschen, die ihre Menschlichkeit verlieren. Die Flüchtlinge sind da nur das Zünglein an der Waage.
In Deutschland wächst man generell wunderbar behütet auf. Ich allen voran, meine größten Alltagssorgen sind und waren meine akademischen Leistungen und… nun ja, Jungs. Ich schäme mich fast das in diesem Zusammenhang zuzugeben, andererseits wünsche ich mir, dass jeder so aufwachsen darf.

BFF_1508_ButtonBlau3-300x3001Und daher unterstütze ich gerne Projekte für Flüchtlinge, für Nächstenliebe und für eine bessere Welt. Ich mag Idealist sein, aber ich versuche das Richtige zu tun. Ich habe zu Beginn schon mal erwähnt, dass ich mich gerne belehren lasse. Es ist wichtig zu akzeptieren, dass es andere Meinungen gibt. Was mich wütend macht sind Leute, die auf Durchzug stellen, die provozieren und dann wegschauen. Ignoranz.
Natürlich bin ich enttäuscht, wenn ich jemanden einfach nicht umstimmen kann. Besonders bei einem Thema, das mir persönlich wichtig ist, aber da helfen Beleidigungen eben auch nicht. Dann hilft nur Akzeptanz. Und wenn man etwas einfach nicht akzeptieren kann, weil es gegen die eigenen moralischen Grundsätze verstößt, dann muss man eben friedlich dagegen arbeiten.

In erster Linie finde ich es wichtig, dass ihr für eure eigene Meinung einsteht. Ob die nun mit meiner oder der eurer Eltern oder eures Partners oder eurer Freunde oder der der Gesellschaft übereinstimmt oder eben nicht. Aber seid trotzdem offen für Neues. Seid auch bereit euch überzeugen zu lassen und stellt euch nicht taub aus Angst zugeben zu müssen, dass der andere auch mal im Recht sein kann.

Daher werde ich zukünftig Blogger für Flüchtlinge unterstützen und auch den Banner von literaturschock.de habt ihr bestimmt schon gesehen.

Ich wollte nur mal eben meine Meinung kundtun, aber keine Sorge, oft werde ich euch nicht mit politischen Beiträgen quälen. Das hier ist immerhin ein Literaturblog und eigentlich halte ich mich ja sowieso viel lieber in Fantasywelten auf als in der Realität. Irgendwie liegt mir dieses Thema aber auch am Herzen, es musste eben mal raus.

PS: Wer übrigens etwas spenden möchte, kann das hier tun. Ich werde das jetzt auch erstmal in Angriff nehmen.

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1 Comment

  • Reply Vivka Wintermaedchen 28. März 2016 at 9:32

    Hei du,

    ich bin ja auch ein Mensch, der sich grundsätzlich aus politischen Diskussionen heraushält, aber ich mache hier mal eine Ausnahme ^^“

    Ich kann dir vorbehaltslos zustimmen, wir müssen den Menschen helfen, die aus ihren Länder fliehen, weil sie dort vlt nur noch der Tod erwartet und kaum ein Mensch wird sich in diese lebensgefährliche Reise begeben ohne einen guten Grund!
    Das dort immer Ausnahmen dabei sind, einfache Arschlöcher und beschissene Leute, damit muss man rechnen … nicht alle Deutschen sind tolle Menschen … nicht alle anderen Menschen sind nur tolle oder schlechte Menschen!

    Das wir eine Lösung finden müssen, ist auch klar …. aber wir dürfen keine Grenzen und Übergänge dicht machen! Wir müssen eine Lösung finden, die das Problem packt. Und wir sind an dieser ganzen Situation ja nicht unschuldig! Die westliche Welt hat genug Waffen geliefert und muss jetzt mit den Kosequenzen leben!

    Wir sollten das Beste aus der Situation machen und einfach mit den Flüchtlingen versuchen eine gemeinsame Welt aufzubauen, in der jeder Leben kann =)

    Liebste Grüße,
    Vivka

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