Po­li­ti­cal Cor­rect­ness, die

Einstellung, die alle Ausdrucksweisen und Handlungen ablehnt, durch die jemand aufgrund seiner ethnischen Herkunft, seines Geschlechts, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht, seiner körperlichen oder geistigen Behinderung oder sexuellen Neigung diskriminiert wird; Abkürzung: PC

 – Duden.de

Sich politisch korrekt auszudrücken ist schon eine eigene Kunst geworden. Fast könnte man es eigene eigene Sprache nennen, immerhin muss man viele neue Vokabeln lernen.
Seit wann heißt es z.B. Geflüchteter und nicht mehr Flüchtling? Und warum sollte man das Wort „Asylant“ gar nicht mehr in den Mund nehmen? Was bitteschön soll LGBTQ oder LSBTTIQ bedeuten und benutzt man zum Gendern jetzt Unterstriche oder Sternchen?

Ein Thema, mit dem ich mich schon länger privat, aber als Blogger jetzt noch viel mehr beschäftige. Es hat ja auch irgendwie mit Literatur zu tun und Medien und der Macht der Sprache. Ganz allgemein geht es aber auch darum, wie wir miteinander umgehen. Ich finde dazu „Über Randgruppen lachen? Darf er das?“ von Chris Tall ziemlich gut.

Was soll sie eigentlich bringen, diese ominöse Political Correctnes? Machen wir uns das Leben einfach unnötig schwer?
Jaein, denke ich. Und das ist ein ganz wichtiger Teilsatz, alles was ich schreibe ist nur meine Meinung bzw. Ergebnisse meiner Recherche und ich erhebe keinen Anspruch darauf, mit allem recht zu haben.
Spache kann uns sehr beeinflussen, das bekommen wir nur gar nicht so mit. Genau das macht Sprache aber eben so mächtig, gegen dieses unterschwellige beeinflussen kann man sich kaum wehren. Deswegen versuche ich immer, mich ein Stück weit politisch korrekt und vor allem respektvoll auszudrücken. Abgesehen davon, dass es einfach unhöflich ist, jemanden als Asylanten zu bezeichnen, nistet sich das Wort negativ in unserem Unterbewusstsein ein. Wir verknüpfen also Geflüchtete automatisch mit etwas negativem, das beeinflusst auch unsere Grundeinstellung zu diesem Thema. Und um so mehr Menschen negativ besetzte Wörter benutzen, um so mehr werden diese Salonfähig.
Dagegen gibt es auch das Argument, politisch korrekte Sprache verdränge Probleme und würde diese einfach schön umschreiben. Das kann durchaus sein, ist in meinen Augen aber weder Sinn noch Zweck der Sache. In solchen Fällen wird Political Correctness einfach missbraucht. Mich stört ja etwas ganz anderes, und zwar der Zwang zu extremer Political Correctness. Genau das führt auch dazu, dass viele Menschen einfach die Nase voll haben und bei Wörtern wie „gendern“ Gänsehaut bekommen.

Die drei wohl populärsten Themen, wenn es um Political Correctness geht:

gendernEines der aktuellsten Themen (und für Deutsche der reinste Horror) ist wohl das Gendern. Viele Wörter benutzen wir „standardmäßig“ in männlicher Form. Student, Lehrer, Schuster… Elegant umgehen kann man dieses Problem manchmal mit Partizipien im Plural, wie Studierende oder Lehrende. Schuhmachende klingt dagegen schon wieder ziemlich bescheuert. Da hilft dann wohl wirklich nur sowohl die weibliche als auch männliche Form zu nennen. Nach kurzer Recherche merkt man, dass es aber auch da tausend Wege und Möglichkeiten gibt. Was ist nun das korrekteste? Lehrer*in, Lehrer_in, LehrerIn …? Gendersternchen, Gendergap und Binnen-I nennen sich diese Symbole übrigens. Im Zweifelsfall kann man natürlich auch einfach „Lehrerinnen und Lehrer“ sagen.
Ich habe mal gehört, Sternchen und Unterstriche sollen als Platzhalter dienen, für alle, die sich selbst weder als männlich noch als weiblich betrachten. Meist wird aber nach persönlichem Geschmack entschieden, nach ein paar Texten, ist das Lesen von gegenderten Worten auch ganz normal und man stolpert nicht mehr andauernd darüber. Aber für welche Variante man sich auch immer entscheidet, wichtig ist, diese innerhalb eines Textes durch zu ziehen. Nichts ist verwirrender als Gendersternchen, Gendergap und Binnen-I wild durcheinander zu benutzen. Man findet im Internet aber noch sehr viele weitere Regeln, wie „nenne die weibliche Form immer zuerst“ oder „unterscheide zwischen gendersensiblen und nicht-gendersensiblen Fällen“. Was man für (un)sinnvoll hält, dass muss jeder selbst entscheiden.

lgbtqIch habe es eben schon kurz angesprochen, schon lange besteht unsere Gesellschaft nicht mehr nur aus männlich und weiblich. Sie besteht auch schon lange nicht mehr nur aus homosexuellen und heterosexuellen Menschen. Die Abkürzungen LGBTQ oder LSBTTIQ versuchen alles zu beschreiben, was eben nicht unter Heterosexualität fällt. Dabei steht LGBTQ für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer/Questioning. LSBTTIQ ist die Abkürzung für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle und queere. Das Ganze lässt sich noch um einige Begriffe erweitern, damit es aber nicht in heillosem Buchstabenchaos endet, belässt man es meist bei diesen Abkürzungen. Eine ganz tolle Seite zu diesem Thema ist ok2bme.ca.

tabuwoerterNun geht es bei politischer Korrektheit natürlich nicht nur ums Geschlecht, sexuelle Orientierung und die eigene Identität. Es gibt auch Tabu-Wörter. Ganz aktuell z.B. Asylant. Seit den 80ern ist dieses Wort unglaublich negativ behaftet und sagt eigentlich schon aus, dass man diese Menschen gar nicht haben möchte. Eine gute Quelle dafür, und auch für andere Ausdrücke bietet www.fair-sprech.de. Und wer ganz korrekt sein möchte, der sagt statt Flüchtling lieber Geflüchtete*r. Warum, ist Flüchtling etwa auch ein Schimpfwort? Eigentlich nicht, es wird von den meisten Menschen ja auch noch verwendet, u.a. von Presse und Politikern. Manche kritisieren an Flüchtling die Endsilbe „-ling“. Diese könne verniedlichen und herabwürdigen. So habe das Wort Flüchtling auch eine Gewisse Ähnlichkeit zum Wort Schädling. Erbsenzählerei? Immerhin endet Frühling ja auch auf -ling und ist etwas schönes (außer vielleicht für Allergiker).
Hier rate ich ganz einfach auch dazu, sich eine eigene Meinung zu bilden. Einige Argumente finden sich in den Artikeln Flüchtlinge oder Geflüchtete? Was unsere Sprache anrichtet und Zum Begriff „Flüchtling“ vom sächsischen Flüchtlingsrat.

Ich persönlich finde Political Correctness ja ziemlich gut, viele Aspekte aber einfach völlig übertrieben. Manches rutscht fast ins Lächerliche ab, auf der anderen Seite ist einem überhaupt nicht mehr nach Lachen zu mute, wenn man von jeder Seite die Moralkeule um die Ohren gehauen bekommt: „Du musst gendern und du musst es genau so machen!“, „Wenn du dich nicht politisch korrekt ausdrückst, bist du ein Nazi!“. Wenn man dann aber versucht auf Political Correctness zu achten, wird man ganz komisch angesehen und als kleinlicher linker Vogel abgestempelt. Man kann es eben nicht jedem recht machen und muss einfach seine eigene Linie finden.

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