Allgemein, Fantasy, Hexen/Zauberer, Jugendbuch, Magie, Parallelwelten, Rezension, Romance, Urban Fantasy, Young Adult

Eonvár – Zwischen den Welten

„Nichts vermag die toughe Elisa zu stoppen. Weder die Hindernisse des Alltags noch das raue Leben in der Großstadt. Plötzlich taucht ihr lange verschollener Jugendfreund Gabriel auf – und mit ihm die Chance, in einer magischen Welt voller Abenteuer zu leben. Elisa steht vor einer schweren Entscheidung. Nur wer sich vollkommen von der irdischen Welt trennt, darf in Eonvár bleiben. Doch ist das Leben als Hexe und ohne Rollstuhl wirklich das, was sie sich wünscht? Kann sie die Menschen, die sie liebt, zurücklassen? Statt eine Wahl zu treffen, beginnt Elisa ein gefährliches Doppelleben zwischen den Welten.“

Die Idee, dass ein an den Rollstuhl gefesseltes Mädchen eine magische Parallelwelt findet, in der sie lauter zauberhafte Dinge erlebt und sogar wieder gehen kann fand ich sehr süß. Der Rollstuhl bringt eine ganz neue Facette in die Geschichte und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer die Entscheidung sein muss zwischen dieser wunderbaren neuen Welt ohne Rollstuhl und dem alten Leben mit allen Freunden und Familie. Dieser Konflikt bietet einiges Potential für einen vielschichtigen Charakter dem man, wenn man ganz ehrlich ist, auch die ein oder andere egoistische Entscheidung nicht übelnehmen würde. Es muss kein Held in schillernder Rüstung sein, ein Mädchen, dass einfach wieder laufen können möchte reicht vollkommen.

Leider spielte genau dieser Aspekt eine eher kleine Rolle und wurde abgelöst von dem unglaublichen Dickköpfen und teilweise sehr unnötigen Streitigkeiten zwischen den Charakteren. Die Personen standen dem Verlauf ihrer eigenen Geschichte im Weg. Was dazu führte, dass ich für das erste Drittel des Buches einen Monat brauchte und ehrlich gesagt überhaupt keine Lust hatte, mich mit den Charakteren herum zu schlagen, während ich die letzten 66% des Buches an einem Tag durchgelesen habe. Als die Geschichte erstmal Fahrt aufgenommen hat, wollte ich auch unbedingt das Ende wissen. Alles in allem ließ sich das Buch nämlich sehr gut lesen. Nur mit den Charakteren bin ich bis zum Ende nicht auf einen guten Zweig gekommen und der Einstieg gestaltete sich daher sehr zäh. Fast jeder halbwegs wichtige Charakter hat einen unverbesserlichen Dickkopf und lässt nicht mit sich reden. Dies hatte zur Folge, dass dauernd gestritten wurde und ich am liebsten allen einen Eimer Eiswasser über den Kopf geschüttet hätte. Auch wenn circa jeder dieser Sturköpfe eine tragische Vergangenheit hat, konnte ich viele Charaktere nicht lieb gewinnen. Ich hatte oft das Gefühl, dass ihr Eigensinn viele tolle Charakterzüge einfach überdeckt. Leider konnte man auch im Laufe der Geschichte nicht wirklich Charakterentwicklungen sehen, wobei ich mir das gerade bei Elisa sehr gewünscht hätte. So wirkte sie immer etwas wie ein trotziges Kind.

Auch die Geheimniskrämerei fand ich an einigen Stellen etwas zu übertrieben. Erst rückt niemand mit der Sprache raus und am Ende ist die unwissende Elisa dann an allem schuld? Da wäre ich mir an ihrer Stelle auch sehr veräppelt vorgekommen. Vor allem, weil es so oft keinen guten Grund für das Verheimlichen gab… außer einem Twist der Geschichte, der natürlich in einem neuen Streit zwischen Elisa und einem Nebencharakter endete.

Hätten sich die Personen nicht so oft gezankt, hätte es auch viel mehr Platz gegeben um Eonvár etwas mehr zu erkunden. Dafür, dass ein großer Teil der Geschichte in dieser magischen Parallelwelt handelt, tappt man als Leser auch nach beenden des Buches noch ganz schön im Dunkeln. Und ich hätte so gerne mehr erfahren. Denn viele Ansätze fand ich wirklich interessant und es wäre spannend gewesen, noch etwas mehr über die Infrastruktur und sozialen Konflikte zu erfahren, die es offensichtlich in dieser Welt gibt. Natürlich hätte ich auch gerne mehr über die Magie und die magischen Wesen erfahren. Fantasy wird ja gerade durch den fantastischen Teil so gut. Ich mochte die verschiedenen Wesen in Eonvár sehr gerne und fand die Ideen von Glühteufeln und Aôrien wirklich schön.  Dass mich das Buch am Ende trotz persönlicher differenzen mit den Charakteren fesseln konnte, spricht ja etwas für sich. Wäre die Handlung etwas früher ins Rollen gekommen und hätte der Fokus nicht so stark auf der Beziehung zwischen Elisa und Gabriel gelegen, dann hätte ich auf jeden Fall auch schon früher mehr Freude an dem Buch gefunden. So war der Anfang sehr gestreckt und das ende zu gestaucht. Aber behaupten, dass ich beim Lesen gar keinen Spaß gehabt hätte kann ich schlussendlich nicht. Gerade die letzten Kapitel haben das Ruder wieder herum gerissen und ich bin auch mit der Art des Endes vollkommen zufrieden. Das war schön und überraschend, so wie man sich ein Ende immer wünscht.



Titel Eonvár – Zwischen den Welten
Autor Kat Rupin
Verlag Zeilengold Verlag
eBook 4,99€
ASIN B076QGP655
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1 Comment

  • Reply Daniela 25. Februar 2018 at 10:52

    Hallo,
    du hast viele Aspekte beleuchtet, die ich in meiner Rezension nicht angesprochen hab. Diese Geheimniskrämerei z.B.
    Mir ging es ähnlich, im Mittelteil hat es mich gar nicht gepackt, in dem Sinne, dass ich gar keine Lust mehr hatte, weiterzulesen. Doch das letzte Drittel war dann wieder super.
    Alles in allem denke ich, dass du wirklich viel an Botschaften drin steckt, trotz der eher einfach Lovestory.
    Ich hab deine sehr lesenswerte Rezension hier verlinkt.
    Grüße,
    Daniela, der Buchvogel

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