Die Seiten der Welt

Eine ganze Weile schon stand Die Seiten der Welt (erschienen beim Fischer FJB Verlag) von Kai Meyer unberührt in meinem Regal. Schön aussehen tun die Bücher ja auf jeden Fall. Nachdem ich mir dann endlich ein Herz gefasst und den ersten Band begonnen habe, waren plötzlich alle drei Bücher durchgelesen. Ich habe auch keine Idee, wie mir das passieren konnte.

Die junge Bibliomantin Furia Salamandra Faerfax lebt abgeschottet, mit ihrem Vater, ihrem kleinen Bruder Pip und den Hausangestellten in England. Bibliomanten, das sind eigentlich Magier, deren Kraft auf Büchern beruht. Jeder Bibliomant hat ein Seelenbuch, mit dessen Hilfe er seine Kräfte benutzen kann, aber dieses muss erst einmal gefunden werden. Furia ist schon eine ganze Weile auf der Suche nach ihrem eigenen Seelenbuch, doch bevor sie es findet gerät ihr Leben gehörig aus den Fugen. In der Welt der Buchliebhaber und Leseratten ist es nicht halb so idyllisch, wie man glaubt. Politische Intrigen und Machtspielchen unterdrücken einen großen Teil der bibliomantischen Bevölkerung und auf einmal findet sich Furia mitten in diesem Chaos wieder. Nach und nach deckt sie immer mehr Geheimnisse über den Ursprung der Bibliomantik auf und übernimmt damit ungewollt viel Verantwortung für deren Zukunft.

Furia ist ein Charakter, den man sehr leicht mögen kann. Ihr Charakter war mir fast etwas zu glatt, zu lieb und gut. Dadurch, dass Furia so aufopferungsvoll ist, hat sie ein sehr reines Gewissen und kommt fast nie in die Verlegenheit zweifelhafte Entscheidungen zu treffen. Ihr Handeln scheint immer genau richtig zu sein. Sie ist eben einfach nur nett. Der Autor lässt aber im Buch selbst auch ein wenig durchblicken, dass es durchaus vielschichtigere Charaktere gibt. Diese werden nur leider kaum näher betrachtet. Dafür finde ich Furias Kräfte sehr gut ausbalanciert. Endlich mal wieder ein Charakter im Jugendbuch-Genre, der nicht Mary Sue schreit. Sie hat zwar großen Einfluss auf die Geschichte, ist aber nicht allmächtig.

Die Geschichte bleibt besonders deshalb sehr spannend. Schließlich kann man nicht ständig davon ausgehen, dass alles gut ausgeht. Auch der Young Adult Baukasten versagt an dieser Stelle – zum Glück! Den Charme der Geschichte macht aber vor allem das Setting aus. Schließlich geht es um Bücher und Buchmagie, Bibliotheken und Autoren, Schnabelbücher und dicke Folianten. Ich mochte den Verlauf der Handlung sehr und fand es besonders beeindruckend, wie verschiedenste Handlungsstränge am Ende wieder flüssig zusammen geführt haben und alles in sich logisch erschien. Flüssig ist auch Kai Meyers Schreibstil, da wurde ich bisher in noch keinem Buch von ihm enttäuscht.

Natürlich ist die Trilogie eine Jugendbuchreihe, dafür ohne den fast schon obligatorischen Kitsch und die nervtötenden Klischees. Bei vielen Jugendbüchern im Bereich der Phantastik habe ich inzwischen das Gefühl „kennste eines, kennste alle“, das war bei den Seiten der Welt glücklicher Weise kein einziges mal der Fall und ich würde sie auf jeden Fall weiter empfehlen. Übrigens gibt es einen weiteren Roman, der zwar nicht von Furia und ihren Freunden handelt, jedoch auch in der magischen Welt der Bücher spielt. In Die Spur der Bücher begleitet man Mercy Amber durch ein viktorianisches London.


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2 Comments

  • Reply Vivka Wintermädchen 25. September 2017 at 16:40

    Guten Morgen aus dem Sommerschläfchen und herzlich Willkommen zurück =)

    Band eins steht auch noch auf meiner Wunschliste, bin irgendwie nie dazu gekommen, mir den zu besorgen und zu lesen

    Und ich mag deinen Stil, wie du schreibst und wie du den Beitrag gestaltest, ich bin sehr sehr neidisch!

    Liebste Grüße,
    Vivka

    • Reply Sarah 19. Oktober 2017 at 17:55

      Danke!
      Dabei bin ich immer gar nicht so überzeugt von meinen Inhalten und möchte am liebsten dauernd etwas überarbeiten. Die Bücher fand ich aber echt toll!

      Liebe Grüße,
      Sarah

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