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Der Young Adult-Baukasten

Man nehme eine Prise Teenagedrama, 5 Gramm Magie, 3 Tropfen unsterbliche Liebe und natürlich Chemikalie X. Daraus entstehen dann aber nicht die Powerpuff Girls, sondern ein ganz typischer Young Adult Roman. So wie wir ihn kennen und „lieben“. Tatsächlich ist mein Bücherregal voll von diesem Genre, lange Zeit habe ich nichts anderes gelesen (oder eher verschlungen). Ich stehe auch heute noch auf Fantasy-Kitsch-Romane, die dieses romantisches Bauchkribbeln auslösen. In letzter Zeit frustrieren mich Jugendbücher allerdings immer mehr. Das Genre liegt unglaublich im Trend und ich kann gar nicht alles lesen, was davon auf den Markt kommt. Will ich aber auch gar nicht. Denn so viele wirklich gute YA  Bücher es auch gibt… es geistern auch unzählige Nieten durch den Bücherdschungel. Der Plot ist immer ähnlich, man weiß schon seit dem Klappentext, dass Mädchen X am Ende mit Junge Y zusammen kommt und sie auf dem Weg dahin verschiedene Dramen durchleben müssen, die aber auch immer öfter nach Schema F ablaufen. Charaktere sind oft nicht ausbalanciert und nur Mittel zum Zweck um ein paar Knutschszenen aneinander zu reihen. Wenn man einen Young Adult Roman in die Hand nimmt, weiß man eigentlich genau, was einen erwartet und das ist gut so. Ich möchte Kitsch und Schmetterlinge im Bauch… aber auch eine spannende Geschichte und tolle Charaktere. Der fiktive männliche Hauptcharakter kann eben nicht von allem ablenken. Oder was denkt ihr dazu?


ya-baukasten*diese kleine Planungsskizze hat ihren Weg in den Blogbeitrag nur gefunden, weil sie ganz hübsch und ein bisschen bunt aussieht


YOUNG ADULT – BAUKASTEN:

zum Auf- und Einklappen der Reiter kurz auf den Titel klicken 

DIE PROTAGONISTIN

Generell zarte 16-18 Jahre alt und ihre Haar- und Augenfarbe lernen wir meist auf der ersten Seite kennen.

Das Mauerblümchen

Sie ist schüchtern, unschuldig, zurückhaltend, total liebenswürdig, eigentlich wunderschön aber hält sich selbst für eine graue Maus. Obwohl sie offensichtlich perfekt ist, scheint sie niemand so wirklich wahrzunehmen oder zu mögen, außer ihre beste Freundin und natürlich der neue Typ, der vom ersten Augenblick an die Augen nicht mehr abwenden kann.

Die Rebellin

Tough, hat ein unglaublich loses Mundwerk, bringt sich mit ihrem Hitzkopf unnötiger Weise in die dümmsten Situationen (so dass man sich als Leser manchmal einfach nur die Hand vor die Stirn klatschen will) und lässt jeden Badboy wie ein Lämmchen aussehen.

Das Leben legt mir keine Steine in den Weg

… es begräbt mich lebendig unter dem Mount Everest! Oft vom Leben gestraft, ihre Krebskranke Mutter wurde vor ihren Augen ermordet, der Vater in einen tragischen Autounfall verwickelt und das Kaninchen vom Nachbarshund gefressen. Das arme Waisenkind muss jetzt bei der ätzenden Verwandtschaft leben, die sie behandeln als wäre Unglück ansteckend. Die Lebensgeschichte der Hauptperson scheint alles Leid der Welt in sich zu vereinen.

Optionales „Du bist eine ganz besondere Schneeflocke“-Paket

Angefangen bei unaussprechlichen, extravaganten Namen (einem Kind könnte man heute auch gleich einen Zettel mit „bitte mobben“ auf den Rücken kleben, bevor man es in die Schule schickt), bis ihn zu düsteren, uralten Prophezeiungen. Oft ist die Protagonistin DIE EINE Auserwählte, hat besondere Kräfte oder ist die letzte ihrer Art. Ahnen tut sie selbst davon natürlich nichts.

LOVERBOY

Liebe auf den ersten Blick. Es ist diese berühmte ganz große Liebe. Mit 16. Alle anderen Beziehungen können da einfach nicht mithalten… und realistische Entwicklungen von Gefühlen und Beziehungen sind ja sowieso was für Nicht-Auserwählte und Normalos.

Der Badboy

Der feuchte Traum aller Mädchen. Er behandelt die Protagonistin wie Dreck, ist dabei aber unglaublich sexy. Seine Coolness lässt die Hölle gefrieren und auch wenn er unsere Hauptperson offensichtlich unerträglich findet, taucht er ständig in ihrer Nähe auf und ist einfach ein unglaubliches Ekel. Aber wirklich böse sein kann man ihm nicht, meist hat er ja schließlich einen triftigen Grund für sein Verhalten (Siehe „Ich bin nicht gut für dich“-Starterpack).

Der Traummann

Er ist einfach perfekt. Gutaussehend, höflich, zuvorkommend, unglaublich lieb und weiß immer genau was er sagen und tun muss. Man findet einfach keine Ecken und Kanten an ihm… das könnte ihn ziemlich langweilig machen, wäre er dafür nicht einfach zu toll. Aber irgendwo ist doch immer ein Haken…

Optionales „Ich bin nicht gut für dich“-Starterpack

Zu dumm aber auch. Sie liebt ihn und er liebt sie, mit gerade mal 16 Jahren den Traumpartner fürs Leben zu finden ist ziemlich beeindruckend… aber das war ja schon bei Romeo und Julia nicht so einfach mit der Liebe. Montagues und Capulets, Vampire und Vampirjäger. Es gibt immer eine böse, dunkle Vergangenheit, die der jungen Liebe im Weg steht.

BFF

Best Friends Forever… oder so.

Die Einzige, die zu mir hält

… und genau diese Treue wird der besten Freundin unserer Protagonistin nur selten gedankt. Oft ist es viel zu selbstverständlich, dass sie zu der Hauptperson steht, selbst wenn alle Welt sich gegen sie verschworen zu haben scheint. Betritt dann aber Loverboy die Bühne, ist die Freundschaft fürs Leben schnell vergessen. Welche Auserwählte gibt sich denn auch mit einer normalsterblichen besten Freundin ab.

Der Schwule beste Freund

Die coole, moderne Variante der besten Freundin. Möchte man die Geschichte etwas frischer und zeitgenössischer wirken lassen, ist ein schwuler Kumpel oft das Mittel der Wahl. Aber Achtung, hin und wieder hält die Protagonistin ihren besten Freund vielleicht für schwul, dabei ist sie schon seit Kindertagen die Liebe seines Lebens…

PLOT

Aufregender und origineller Handlungsverlauf der Geschichte aka Liebe auf den ersten Blick, Drama, Liebe, Drama, Happy End.

Hallo ich bin neu hier…

Protagonistin oder geheimnisvoller Loverboy zieht in eine neue Stadt/ geht auf eine neue Schule. Bei ihren ersten Zusammentreffen sind sie meist nicht unbedingt nett zueinander, werfen sich aber ständig schmachtende Blicke zu. Ein Umzug scheint in Romanen eine höhere Erfolgsquote zu haben als jede mir bekannte Partnerbörse.

Lasst mich durch, ich bin auserwählt!

Die Protagonistin entdeckt plötzlich und völlig unerwartet, dass sie übernatürliche Kräfte hat, sie die Prinzessin vom Taka-Tuka-Land ist (natürlich letzte ihres Geschlechts) oder aus irgendeinem anderen Grund besonderer ist als das letzte Einhorn. Natürlich will ihr daraufhin jeder zweite, dem sie begegnet ans Leder… und helfen kann ihr nur dieser unausstehliche, gutaussehende Typ, mit dem sie eigentlich nichts mehr zu tun haben wollte.

Loverboy2

Was würde der sich langsam anbahnenden Lovestory mehr Pepp geben, als eine Dreiecksbeziehung? So besonders wie unsere Protagonistin ist, hat sie natürlich nicht nur einen Verehrer. Optional kann auch eine vergangene Flamme des ersten Loverboy auftauchen, die natürlich gar nicht erfreut darüber ist, nun endgültig abserviert worden zu sein. Meist ist dieses dritte Rad an der Schubkarre so neidzerfressen, dass er/sie die Konkurrenz mit allen Mitteln aus dem Weg schaffen möchte… Gelingt es doch einmal den Ex-Partner wieder ein wenig für sich zu gewinnen, resultiert daraus natürlich ein emotionales Armageddon. Die sich in der ersten Buchhälfte entwickelte Liebe geht zu Bruch, alle sind unglaublich verletzt und dieses Drama zu schlichten dauert mindestens noch einen weiteren Roman.

PS: Danke an alle Springerchen, die ihren Senf dazu gegeben haben.

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3 Comments

  • Reply ninchen87 8. Januar 2017 at 12:12

    Sehr schöner Beitrag Ich weiß nicht ob du den Four Chord Song von Axis of Awesom kennst, aber die zeigen, was man für einen erfolgreichen Song braucht und ja, auch erfolgreiche Songs laufen immer nach dem selben Schema ab…
    Natürlich funktioniert das auch mit Büchern und das schlimme ist, wie ich auch die meisten Four Chord songs mag…mag ich auch die Bücher, die nach solchen Bausteinen aufgebaut sind xD

    LG Denise
    http://leserattespencer.blogspot.de/

    • Reply Sarah 11. Januar 2017 at 19:45

      Dankeschön Den Four Chord Song kenne ich, finde den auch ziemlich cool. Und irgendwie ist es ja auch ziemlich praktisch zu wissen, was einen erwartet wenn man einen YA-Roman in die Hand nimmt. Manchmal braucht man einfach ein kitschiges Buch und dann wird man von YA selten enttäuscht. Und es gibt ja auch unglaublich gute Young Adult Romane, die nach dem gleichen Schema ablaufen und trotzdem irgendwie aus der Masse herausstechen.

      LG Sarah

  • Reply Moyas Buchgewimmel 8. März 2017 at 10:08

    Chrchrchr, das ist ein schöner kleiner Beitrag. Ich kann Jugendbücher wegen dieses Schemas leider fast gar nicht mehr lesen. Mir gehen vor allem die Dreiecksbeziehungen wahnsinnig auf den Keks, wenn der „Nice Guy“ auftaucht und Protagonistin X plötzlich nicht mehr weiß in welchen der heißen Typen sie jetzt verknallt ist. Total überflüssig und wirkt auch meist reingezwungen.
    Bei den meisten Typen denk ich mir außerdem immer „ey, Alter, friss meinen Stiefel mit deiner ach so sexy Überheblichkeit“. Gutes Aussehen ist doch nun wirklich nicht alles. Also hoffe ich wenigstens. Die armen Mädels die sonst denken, es wäre ok scheiße behandelt zu werden, solange der Typ nur heiß genug aussieht.

    LG Sam

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